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Der Rottaler

Historie des Rottalers:

Der Rottaler gilt neben der ostfriesischen Pferdezucht als die älteste geschichtlich erwähnte deutsche Pferdezucht. Er wurde auf der Grundlage ungarischer Beutepferde mit arabischer Blutführung seit dem 10. Jahrhundert mit verschiedensten Einkreuzungen gezüchtet.

Im Jahr 1190 zog Kaiser Friedrich Barbarossa durch das Rottal auf dem Weg ins Heilige Land, dabei wurden von den Adligen der Region Pferde dieser Rasse mit auf den Kreuzzug genommen. Als erstes belegbares Datum für die Anfänge der organisierten Pferdezucht in Bayern ist das Jahr 1558 zu nennen. Herzog Albrecht IV. ließ damals wertvolle Hengste auf Klosterhöfen verteilen, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass diese auch für die Stuten der Bauern Verwendung finden sollen. Die Deckhengste stammten hauptsächlich aus der Normandie, aus Zweibrücken, aus England und Oldenburg-Ostfriesland. Die Veredelung der damaligen Land-Pferderasse wurde damit angestrebt. Es sollte ein leichteres Arbeitspferd etabliert werden mit dem Ziel, in bäuerlichen Ställen auch kräftige und wendige Remonten in gedeckten Farben für das Militär aufwachsen zu lassen. Dieses leistungswillige, kräftige und nicht zu schwere Warmblutpferd fand aber nur im Rottal auch als Wirtschaftspferd Anklang und wurde daher weitgehend als Rottaler Pferd bekannt. Die Rottaler, waren damals als schnelle, ausdauernde Militärpferde für Artilleriezug und als Reitpferde hoch geschätzt. Zu dieser Zeit existierten vier verschiedene Schläge:

  • leichte Pferde für die Kavallerie
  • stärkere Tiere für die Kutschen
  • kräftige Arbeitspferde für die Landwirtschaft
  • massige Brauereipferde

Erst im Jahr 1754, also fast 200 Jahre nach den ersten Anfängen, kamen wieder Hengste durch den kurfürstlichen Marstall auf Landbeschälstationen. 1768 wurden die beiden Rottaler „Beschell Blätz“ (Beschälstationen) Hörgertsham und Weihmörting eingerichtet, 1769 folgte Griesbach i. Rottal. Die staatlichen Fördermaßnahmen zur Veredelungszucht (Aufstellen edler Hengste, Musterungen, Prämien) berücksichtigten das Rottal aufgrund der hier ausgeprägten Pferdezucht in besonderem Maße. Neapolitanische und andalusische Hengste standen in den Beschälstationen. Diese Hengste wurden vom kurfürstlichen Marshall mit hohem finanziellem Aufwand beschafft. Besonders gute Hengste wurden ab 1771 mit wertvollen Prämien bedacht. Diese Hengste mussten aber von kurfürstlichen Hengsten abstammen. Durch qualifizierte Kommissionen wurden auch die Zuchtstuten jährlich gemustert, bis zu den Napoleonischen Kriegen waren ein Drittel der bayrischen Pferde Rottaler und standen um das Landgericht Griesbach an der Rott. Das kräftige Warmblutpferd war ein wichtiges Wirtschaftsgut. Ein Rottaler Geschichtsschreiber hielt 1830 fest: „… diese Pferde gehören zu den vorzüglichsten des Reiches…“. Des weiteren schrieb er: „… die Pferdzucht wurde, durch die von München hergeschickten Beschäler und durch Prämien von 5 bis 10 Dukaten für die schönsten Fohlen, gefördert…“. 1840 wurde ein „Rotthaler Schlag“, 1866 die „Rotthaler-Race“ erstmals schriftlich erwähnt. Das edle Wirtschaftspferd wurde im 19. Jahrhundert zugleich als Remonte- und Kutschpferd gezüchtet.

Es gab im Rottal eine Vielzahl unterschiedlicher Pferdetypen mit bestimmten Eigenschaften. Wichtige Impulse zur Zucht des Rottalers kamen vom Militär, wo das kräftige Allzweckpferd gerne für die Artillerie und auch für die leichte Reiterei (z.B. bei den Chevauleger) eingesetzt wurde. Die Rottaler waren begehrt, da sie mutig, intelligent, leichtrittig und genügsam waren. Wegen dieser positiven Eigenschaften gab es eine Anweisung, welche in Krisenzeiten den Verkauf von Rottaler Pferden an Länder wie Frankreich u.a. verbot.

Mit den Rottalern wurden auch die ersten Trabrennen in Niederbayern im 19. Jahrhundert durchgeführt. Anfangs fanden die Rennen noch unter dem Reiter statt, später vor dem Sulky. Hier konnten sie ihren raumgreifenden und schnellen Trab zeigen und sie erreichten Zeiten von drei Minuten pro Kilometer. Aus diesen Rennen entstand der bayerische Trabersport und als die Rennen immer beliebter wurden und Orlow-Traber und andere Rennpferde eingeführt wurden, veranstalteten die Bauern exklusive Rottaler-Rennen. Im Jahr 1896 wurde in Pfarrkirchen die erste Trabrennbahn in Bayern offiziell eröffnet. Die Rennen sollten auch dazu dienen, gute und wertvolle Pferdezu schaffen und zu fördern. Die Rennergebnisse wurden als Zuchtleistungsprüfung - die erste ihrer Art - herangezogen. Der Trend nach Geschwindigkeit führte jedoch zu einer Auseinanderentwicklung zum schnellen Sporttraber einerseits und zum ausdauernden, kräftigen Wagen- und Wirtschaftspferd andererseits. In dieser Zeit wurden Anglo-normannische und Cleveland-Bay-Hengste den Stuten zugeführt. Durch den Einsatz der Cleveland-Bay-Hengste erhielten die Rottaler vermutlich ihr energiegeladenes Auftreten, ihren raumgreifenden Trab und ihre braune Fellfarbe. Allerdings verlor sich dadurch auch allmahlich die ursprüngliche Rottaler Blutführung des bayerischen Trabers. Rottaler Stuten waren aber die Grundlage für die schnellen Zuchterfolge in der Anfangszeit der bayerischen Traberzucht und schufen damit die Voraussetzung für den Durchbruch der mittlerweile etablierten Traberzucht in Bayern.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch die Geräte in der Landwirtschaft immer schwerer und die Rottaler sollten mehr Kraft und Masse erhalten, Das wolle man durch vermehrtes Einkreuzen von Oldenburger Hengsten erreichen. Man beschloss zu dieser Zeit, die Rottaler strengen Zuchtkriterien zu unterziehen. Dazu entstand 1896 die erste Trabrennbahn in Pfarrkirchen und weitere folgten, zum ersten Mal fanden damit „Leistungsprüfungen“ für Warmblüter in Deutschland statt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Beschäler dann mehr und mehr aus der eigenen Nachzucht gewonnen.

Am 15. Juli 1906 erfolgte in Pocking die Gründung des „Rottaler Warmblutpferdezuchtverein“ mit Sitz in Griesbach (Rehaber, 1906). Der Zweck des Vereines bestand in der Erhaltung und Verbesserung des „Rottaler Kutschpferdes“. Im Hinblick auf eine angestrebte Reinzucht wurde eine eigene Kör-Ordnung beschlossen und ein Stutbuch angelegt. In der Kör-Ordnung wurde das Zuchtziel festgelegt: „Der Rottaler Perdezuchtverein hat sich die Züchtung eines gängigen, gefälligen, starken und leistungsfähigen Kutschpferdes als Zuchtziel gesetzt“. Der Gang mit schwunghaftem und raumgreifendem Trab. Die Gliedmaßen trocken, tiefrumpfig und nicht hoch vom Boden gestellt. Gutmütigkeit (Schläger und Beißer gibt es fast nicht), Langlebigkeit und Fruchtbarkeit (Stuten, die mit 20 Jahren noch ein Fohlen bringen, sind keine Rarität) stellten echte Werte in der Pferdezucht dar.

Ein durchgezüchtetes Wirtschaftspferd mit großer Einheitlichkeit und Gleichmäßigkeit war das Resultat. Es entstand eine vielseitige Pferderasse, geeignet für leichten und schweren Zug, und natürlich auch für den Reitdienst. Verbunden war dies mit der Anlegung eines Zuchtbuches und der Definition eines einheitlichen Zuchtziels. Außerdem wurde in der Kör-Ordnung ein Brandzeichen geprägt: „Das Brandzeichen des Vereins ist ein lateinisches R, welches auf dem linken Oberschenkel angebracht wird“. Seit Ende des 19. Jahrhunderts stellte das bayerische Stammgestüt Achselschwang Rottaler Hengste für die ober- und niederbayerische Warmblutzucht auf. Nach dem ersten Weltkrieg ist die Rottaler Pferdezucht schließlich mit der bayerischen Warmblutzucht gleich geschaltet.

Im Jahr 1920 wurde die umfangreiche Leistungsprüfung für Rottaler eingeführt. Die Pferde mussten ihre Fähigkeiten als Zug-, Kutsch- und Reitpferd beweisen, sie sollten eifrig, belastbar, vielseitig und gesund sein. Zudem ist der Charakter schon immer ein wichtiger Selektionspunkt. Nur Pferde mit ausgesprochener Gutmütigkeit und Ruhe kamen in die Zucht!

Im Jahre 1944 waren 251 Züchter Mitglieder im Rottaler Pferdezuchtverein. Bis in die 50er Jahre stellt der Rottaler die bedeutendste Warmblutpopulation in Bayern. 1955 waren 37 % des gesamten niederbayerischen Pferdebestandes Rottaler Warmblutpferde. Nach dem 2. Weltkrieg schien für ein Pferd wie den Rottaler nach Meinung des Bayerischen Zuchtverbandes kein Bedarf mehr zu sein, so dass nach diversen Umzüchtungsversuchen der Beschluss gefasst wurde, die Bayerische Warmblutzucht als reine Sportpferdezucht auf hannoverscher Grundlage grundsätzlich neu aufzubauen. Hier ging der alte Typ des Warmblutes verloren. Die zunächst versuchte Verdrängungskreuzung wurde durch eine „Rassenbereinigung“ mittels Ankäufen von Zuchttieren aus Hannover und Westfalen, sowie gleichzeitiger Zurückstufung der Rottaler Stuten abgelöst. Im Jahr 1962 waren in Bayern nur noch 251 Warmblutstuten eingetragen. 1963 wurde das Brandzeichen von „R“ in „B“ geändert. Bewusst wurden Söhne Rottaler Hengste nicht mehr gekört, die alten Rottaler Hengstlinien getilgt (geschlachtet). Nur die allerbesten Stuten in Händen von traditionsbewussten Züchtern, die von deren Wert felsenfest überzeugt waren, haben diese Umwälzung überlebt.

Mit Beginn der 1960er Jahre wurden in großem Umfang Pferde anderer deutscher Zuchtgebiete, vor allem Hannoveraner und Westfalen, sowie Pferde aus Frankreich und den Niederlanden in das bayerische Warmblut eingekreuzt, um das Springvermögen nachhaltig zu verbessern. Daneben wurden zur Veredlung auch Trakehner und Vollblüter eingesetzt. Dabei wurde das ehemals vor allem in der Landwirtschaft eingesetzte, im Typ eines schweren Warmbluts stehende homogene Rottaler Warmblut nicht langsam veredelt, sondern praktisch radikal durch ein modernes Sportpferd ersetzt. Bis 1966 waren alle Rottaler Hengste geschlachtet oder kastriert. Die Stuten galten als für die Zucht ungeeignet und wurden daraufhin aus dem Hauptstammbuch gestrichen und danach verkauft oder geschlachtet, zuvor waren aber viele Stuten mit anderen Hengsten belegt wurden und deren Nachkommen erhielten das Rottaler Blut im Bayrischen Warmblut. Schon bald darauf waren fast alle Rottaler mit ihrem R-Brandzeichen verschwunden. Dennoch führt noch heute ein hoher Prozentsatz bayerischer Sportpferde Rottaler Blutanteile. Leider gingen mit den gesamten genetischen Ressourcen auch die mühsam in Stutenlinien heraus gezüchteten wertvollen Eigenschaften wie Robustheit, Langlebigkeit und Leistungswille verloren. Nur wenige originale Rottaler Stutenlinien überlebten die staatlich verordnete Rassenbereinigung und diese wurden dann das Fundament der seit den 1980er Jahren organisiert betriebenen Rottaler Erhaltungszucht. Die im Jahr 1981 gegründete „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.“ (GEH) hat die Betreuung des Rottaler Pferdes übernommen. Im April 1988 wurde die „Interessengemeinschaft Rottaler“ gegründet. Dennoch ging die letzte Stute mit dem alten Rottaler Brand im Jahr 1990 ein. Erst durch eine Privatinitiative, maßgeblich durch Dr. Arno Schierling betrieben, wird seit 1990 daran gearbeitet, die älteste bayerische Pferderasse vor dem gänzlichen Erlöschen zu bewahren. Im Jahre 1994 wurde das Rottaler Zuchtbuch (mit 22 Tieren) wieder aufgelegt um das Erbe der Rottaler zu bewahren und ein formschönes, vielseitiges und fruchtbares Pferd zu züchten. Die aktuelle Rottaler Zucht beruht auf der Erhaltung der Original Rottaler Mutterlinie, ausgehend vom Rottaler Stutbuch, erstmals aufgelegt im Jahre 1907. Die Population umfasste 2014 ca. 80 Tiere.

Der traurige Titel „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“, auch als „Haustier des Jahres“ bekannt, wird seit 1984 durch die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) vergeben. 2000 war das Jahr des Rottaler Pferdes. Leider stehen die Rottaler Pferde auch heute noch auf der Roten Liste alter und gefährdeter Haustierrassen in der Kategorie I = extrem gefährdet!

Durch die frühere, auf den überdurchschnittlichen Leistungen basierende, sehr weite Verbreitung der Rasse, gibt es aber auch heute noch viele Leistungsträger des modernen Turniersports, welche aus der Rottaler Population stammen. Vor allem in der Dressur- und Vielseitigkeitsreiterei brachten es Rottaler Nachkommen bis in die allerhöchste Leistungsklasse. Im Leistungsstutbuch der FN stellt das Rottaler Pferd die höchste relative Eintragungsquote!

Die Zucht der Rottaler nach 1994

Die Rottaler Erhaltungszüchter bemühen sich, dass Rottaler Pferd in den originalen Mutterlinien weiter zu züchten. Von einem Bestand im Jahr 1993 mit zwei Hengsten und zwanzig Stuten im Durchschnittsalter von 16 Jahren ausgehend konnte mittlerweile eine stark verjüngte Population von fünf Hengsten und ca. vierzig Stuten erreicht werden. Im Jahr 1994 wurde das Rottaler Zuchtbuch vom Landesverband bayerischer Pferdezüchter, Pferdezuchtverband Niederbayern/Oberpfalz e.V. wieder aufgelegt. Es sind ca. 20 Züchter aktiv. Von privater Hand sind z. Zt. 124 Spermaportionen von vier Hengsten eingelagert. Dr. Arno Scherling war maßgeblich an der Wiederaufnahme und Fortführung der Rottalerzucht und der Grundlagen für diese Zucht beteiligt. Die folgenden vier Unterkapitel sind von ihm geschrieben:

Bestandsaufnahme und Bestand

Es wurde 1991 beabsichtigt, den Bestand von Abkömmlingen der alten Rottaler Mutterlinien möglichst vollständig zu erheben. Es wurde dann darauf hingearbeitet, ein gesondertes Stutbuch zu eröffnen, um einen Stutenstamm für die Erhaltungszucht aufzubauen. Bei der ersten Rottaler Stutbuchaufnahme im Jahr 1994 kamen elf Stuten zur Vorstellung. Bereits sechs Fohlen von den Erhalterhengsten Weltenburg und Morketo konnten registriert werden. Sie würden die Ersten sein, welche dann im Alter von drei Jahren wieder den altehrwürdigen Rottaler Brand als züchterisches Prädikat tragen dürfen. Die Fohlen stammten durchwegs aus künstlicher Besamung, da die Väter erst 1994 vom Rassebetreuer in das ursprüngliche Zuchtgebiet zurückgeholt werden konnten. Das fachkundige Publikum zeigte sich überrascht über die ausnahmslos korrekten Fohlen, sowie über die Vitalität der überwiegend betagten Stuten. Die älteste Teilnehmerin war die 21-jährige Elitestute Warga aus der Walküre, das Durchschnittsalter lag insgesamt bei 15½ Jahren. Es war buchstäblich in letzter Minute, dass eine Erhaltungszucht auf solider Grundlage errichtet werden konnte.

Die Rottaler Erhalter-Hengste

Die beiden letzten Hengste stammen aus Rottaler Müttern, deren Mutterlinien sich wiederum bis an die Anfänge der Aufzeichnungen der Rottaler Zucht zurückverfolgen lassen.

- Weltenburg, ein grossliniger Rappe, fiel am 2. Mai 1981 von der Rottaler Staatsprämienstute Elenore. Sein Vater war der Hannoveraner Wendekönig von Wendekreis. Die Mutterlinie geht einerseits über den Muttervater Ginar auf die alte Wittelsbacher-Linie zurück. Ginar wurde 1957 im Rottal aus der Empire vom Achselschwanger Hengst Gin gezogen. Andererseits stammt die Großmutter Eralda über Rambo von der Ruthard-Linie. Nach einer kurzen Decksaison 1985 wurde er nach Baden-Württemberg an Privat verkauft. Lediglich sechzehn Nachkommen stammten aus diesem ersten Zuchteinsatz. Umso erstaunlicher ist es, dass gleich zwei Söhne zu den gewinnreichsten Pferden aus bayerischer Zucht zählen. Der von Josef Baumgartner in Gillöd aus einer Rottaler Stute gezogene Weltenbummler erreichte in der Dressur eine Gewinnsumme von über DM 13.000,-

- Morketo wurde 1971 in einem kleinen bäuerlichen Betrieb in der Nähe von Griesbach im Rottal gezogen. Die braune Hengstmutter Rakete wurde in Karpfham mehrfach mit Ia-Preisen ausgezeichnet. Die Großmutter Renalda geht über Edgar aus dem einstmals bedeutenden Rottaler Zuchtbetrieb von Wasner in Wasen, auf den starkknochigen Vererber Egarten zurück. Die Mutterlinie lässt sich noch bis zu den ersten Aufzeichnungen der Rottaler Zucht zurückverfolgen. Morketo ist auch für die bayerische Warmblutzucht zugelassen und brachte hier ebenfalls erfolgreiche Nachkommen, wie die DLG-Stute Morgensonne, sowie das Grand-Prix-Pferd Moonlight mit einer Lebensgewinnsumme von über DM 14.000,-. Charakterlich ist Morketo einwandfrei und sehr umgänglich. Erfreulicherweise gibt er auch sein glänzendes, schwarzbraunes Fell häufig an seine Nachkommen weiter. Der mittlerweile im 25. Lebensjahr stehende kerngesunde Hengst überrascht seine Besucher durch jugendliche Ausstrahlung und Temperament.

Die Rottaler Stutenlinien

Obwohl die Aufzeichnungen darüber erst im Jahr 1906 einsetzen, dürften die Mutterlinien durchwegs bodenständig sein. Zurzeit ist nur noch eine Stutenfamilie, die Familie der Welle, in welcher sich alle bemerkenswerten Individuen der Rottaler Zucht eingebracht haben, von Bedeutung. Die Welle, 1937 gezogen, war Ia-DLG-Stute, erhielt den Hoesch-Preis und konnte die Leistungskürzel PF*L erhalten. Sie war eine Gardist-Tochter von einer Stute (Weibi APF*L) von Edelweiß. Drei Urenkeltöchter, alle aus der Walküre (vom bisher letzten Rottaler DLG-Ia-Hengst Garant), stehen z. Zt. in der Erhaltungszucht. Die Familie der Elsa, aus der die berühmte Engländerin stammte, wird derzeit nur mit deren Enkeltochter Ester fortgeführt.

Zuchtprogramm

Um eine grobe Vorauswahl treffen zu können, wurde zunächst ein Hauptstammbuch (HST) und ein Vorbuch (VB) eingerichtet: In das HST werden seitdem korrekte Stuten, mit dem, dem Zuchtziel entsprechenden Phänotyp und lückenlosem Pedigree (mindestens vier Generationen), eingetragen. In das VB gelangen die übrigen Stuten mit Rottaler Blutführung, von deren Nachzucht man typische und korrekte Exemplare erwartet. Sie stellen praktisch eine Unter-Genreserve dar. Einzigartig in der Pferdezucht soll - auch im Hinblick auf die Absatzmöglichkeit - das Brandzeichen „R“ als Gütesiegel nur die gelungenen Exemplare kennzeichnen. Die Fohlen werden deshalb vorläufig mit Nummernbrand registriert und beschrieben.

Zuchtziel des Rottalers

Das Zuchtziel des Rottalers ab 1994 orientiert sich an den Vorgaben des klassischen Rottaler Pferdes der Hochzuchtphase:

  • Bestmaß: Stockmaß 160 bis 165 cm, Röhrbein 22 cm, Brustumfang 200 cm
  • Farben: Möglichst gedeckte Farben (gleiche Rasse, gleiche Farbe) mit wenig Abzeichen
  • Gebäude: Kopf edel, breit, ausdrucksvoll, gefällig. Hals breit angesetzt, leicht genug im Genick. Körper mit breiter tiefer Brust, starkknochig, harmonisch mit gut bemuskelter Kruppe, Fundament kräftig und trocken, gut ausgeprägte Gelenke
  • Bewegung: Schwungvolle, raumgreifende Gänge sind gefordert
  • Besonderheiten: Die Tiere haben im ausgeglichenen Temperament, in der Fruchtbarkeit und in der Langlebigkeit herauszuragen
  • Einsatzmöglichkeit: umgänglich und charakterlich einwandfrei, robust, stark und leistungsbereit für jede Reit-, Fahr- und Zugverwendung.

Es soll also ein Vielzweck-Pferd gezüchtet werden, das genetisch verankerte „innere“ und „äußere“ Werte besitzt und weitervererbt. Neben der körperlichen Korrektheit und Gesundheit müssen die Zuchttiere einen einwandfreien Charakter aufweisen. „Viel Pferd“ soll auf einem „edlen Fundament“ stehen. Anerkannt werden alle bis 1963 ins Stut- bzw. Hengstbuch eines bayerischen Regionalverbandes eingetragene Abstammungen. Die Zucht des Rottalers ist eine Erhaltungszucht. Das Stutbuch wird durch den Regionalverband Niederbayern-Oberpfalz betreut.

Der Rottaler ist die älteste bayerische Pferderasse, die als zuverlässiges Reit- und Fahrpferd erhalten werden soll. Wie Dr. Dr. Simader 1922 sagte: „Das Rottaler Pferd ist ein tadelloses, ausgeglichenes, ausdauerndes und langlebiges Tier von hervorragenden Gängen, gutmütiger Art - gleich brauchbar als Arbeits- wie auch als Kutsch- und Reitpferd. Sein Verlust wäre für die Bayrische Pferdezucht unerträglich und es muss alles daran gesetzt werden ihm einen Platz mit allen Mitteln und für alle Zeiten zu sichern!“

Ich persönlich habe meinen ersten Rottaler bei einer unserer Kutschengalas 2007 im Einspänner gesehen. Dieses Gespann hat einen tiefen, positiven Eindruck hinterlassen. Ich habe diesen Eindruck lange nicht richtig wahrgenommen. 2014 suchte ich für unser Projekt einen zweiten Junghengst und bekam den Tipp, dass im Rottal ein Rottaler Jährling zum Verkauf steht. Ich sah vor mir das Bild von 2007 und bei der Besichtigung waren wir uns schnell einig und Löwenherz kam zu uns…bis jetzt die richtige Entscheidung ;o)

Quellen für diese Informationen:

rottaler.txt · Zuletzt geändert: 2020/08/18 18:43 von andreasweingarten