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Voraussetzungen für erfolgreiche Ausbildung

Neben den persönlichen Fähigkeiten und den Fähigkeiten des Pferdes spielen für den Erfolg der Ausbildung – gleich bei welchem Stand der Lektionen man sich befindet – noch weitere Faktoren eine erhebliche Rolle:

  • Die Tagesform des Menschen
  • Die Tagesform des Pferdes
  • Die räumliche Situation
  • Die Hilfsmittel
Die Tagesform des Menschen

Als Lehrer (gleichzeitig sind wir ja immer auch Schüler) sollte man sich den Luxus ungezügelter Emotionen beim Pferd nicht leisten. Dies trifft natürlich besonders bei negativen Gefühlen zu, da hier die Auswirkungen besonders klar zu bemerken sein werden. Ob Frustration, Wut, Enttäuschung oder auch Müdigkeit: Lass diese Gefühle außen vor, wenn Du dem Pferd irgendetwas Sinnvolles beibringen möchtest. Seine Beherrschung am Pferd zu verlieren, es durch Brutalität zu zwingen, ihm Angst und Schmerz zuzufügen, führt mit Sicherheit – über kurz oder lang – zum Ende der Beziehung. Wenn der Geist nicht positiv eingestellt ist, wird man kein guter Lehrer sein und das Pferd wird nur mäßig gut motiviert oder eher gar nicht. Das ist verschwendete Zeit.
Gar nicht verschwendet ist die Zeit, wenn man in so einer Gemütsverfassung keine neuen Ziele mit dem Pferd ansteuert, sondern etwas macht, was dem Pferd gefällt – zum Beispiel es grasen lassen oder dösen, nur bei der Herde stehen, das Pferd putzen, füttern. Einfach mal nur dabei sein. Keine Aktivität zeigen ist auch Bildung – nämlich Vertrauensbildung und ganz nebenbei wird sich die eigene Verfassung ändern, in aller Regel positiv.
Neben unserer psychischen Verfassung ist auch die physische Verfassung wichtig. Da es bei der Ausbildung von Pferden oft auf Voraussicht, schnelle Reaktion und auch Tempo ankommt, ist ein Tag an dem wir uns schlapp und müde fühlen, kein Tag für große Ziele.
Wir sollten entspannt, gut gelaunt und fit mit dem Pferd arbeiten. Mit passender Kleidung und unter den nötigen Sicherheitsaspekten (bei jungen oder unbekannten Pferden immer mindestens mit Handschuhen, festem Schuhwerk und ggf. mit Helm) sind wir dann bereit unser Bestes zu geben.

Die Tagesform des Pferdes

Das ein Pferd auch Stimmungen hat ist kein Geheimnis. Wohl aber ist bei vielen Menschen noch nicht angekommen, dass zu einer guten Ausbildungseinheit auch ein gut aufgelegter Schüler gehört. Ist das Pferd krank, besonders unruhig, ängstlicher als gewöhnlich oder einfach irgendwie anders, gilt es, zuerst diesen Zustand zu klären. Am besten klappt das auf dem Putzplatz, den wir als eine Routine (hierzu mehr an anderer Stelle) jeder Ausbildung voranstellen. Beim Putzen lässt sich prüfen ob der vierbeinige Partner krank ist, Verletzungen aufweist, evtl. rossig ist (ja, nur bei Stuten) oder anderweitig in seiner Stimmung oder körperlichen Leistungsbereitschaft eingeschränkt ist. Manchen Pferden hilft natürlich die Beschäftigung über ein Stimmungstief hinweg, bei manchen ist die Konzentration dahin. Dann sollte man eine einfache Übung ansetzen oder etwas tun, was das Pferd gut kann. Einfach mit mehr Druck arbeiten ist kein guter Weg und stellt die Partnerschaft offen in Frage. Das Vertrauen des Pferdes wieder zu erlangen ist dann nicht immer einfach. Einfach ist auch nicht, hier seinen aktuellen Plan umzuschmeißen und etwas Anderes zu tun. Aber Flexibilität ist eine Voraussetzung für gute Lehrkräfte… Aufhören ist übrigens auch immer eine Option. Dazu aber bitte beachten, dass dies von beiden Seiten gelernt werden muss: Der Mensch muss lernen, aufzuhören (und dies ohne Groll) und um zu planen. Das Pferd sollte nicht lernen, einfach aufzuhören ;O)
Die Lernfähigkeit eines Pferdes ist nicht grundsätzlich das Ergebnis ererbter Fähigkeiten (deren Anteil ist noch nicht endgültig erforscht). Ob eine ganze Pferderasse intelligent ist oder nur ein einzelnes Pferd, sei völlig dahingestellt. Ich kenne niemanden, der bewusst ein intelligentes Pferd gekauft hat und dies (wie bei einem Springpferd z. B.) mit einem Test (Intelligenztest) nachweisen ließ. Dies spielt, nach dem Erwerb eines Pferdes, eh keine Rolle mehr, denn das Pferd ist dann, wie es ist.
Bei den meisten Menschen sind Emotionen und Wünsche, innere Bilder und Träume beim Pferdekauf eh weitaus bestimmender, werden aber in der Regel nicht so gerne als Grund angegeben.
Das Lernen wird beim Pferd stark von gemachten Erfahrungen beeinflusst. Die Tiere sind sensibel und mit einem guten Gedächtnis ausgestattet. Wir müssen uns also stets in Erinnerung rufen, was bisher passierte und die Reflexe des Pferdes, seine Angebote (Trials) und Bemühungen darauf hin bewerten. Auch durch die beste Ausbildung kann man den Instinkt des Tieres nicht grundlegend geändert, sondern bestenfalls in gewünschte Bahnen lenken.
Ach ja: die Konzentration des Pferdes sollte nicht durch eigene Ablenkung gestört werden. Telefonieren während der Ausbildung, Gespräche mit anderen als dem jeweiligen Schüler sind ein absolutes „NoGo“. Man schenkt sich Aufmerksamkeit – ein Gebot der Höflichkeit. Die fordere ich während der Arbeit übrigens auch vom Pferd!

Die räumliche Situation

Zum Lernen muss das Pferd gelassen sein. Die Gelassenheit ist für mich Bedingung der Losgelassenheut, welche auch in der Grundausbildung der FN Richtlinien vorkommt (Siehe Skala der Ausbildung: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ausbildungsskala). Meiner Ansicht nach ist ein Lernen ohne wirkliche Gelassenheit des Pferdes kaum möglich. Die Losgelassenheit (Losgelassenheit beschreibt beim Reiten oder Fahren den Zustand, in dem ein Pferd mit schwingendem Rücken, nach vorne gedehntem Hals und ohne Eile mit natürlichen, taktmäßigen und entspannten Bewegungen läuft und auf die Hilfen des Reiters bzw. Fahrers reagiert. Die Losgelassenheit ist die zweite Stufe der Ausbildungsskala bei Pferden) wird in der Skala auch als 1. Block - zusammen mit Takt und Anlehnung - gezeigt. Da ich aber den Beginn der Ausbildung nicht nur auf dem Reitplatz und schon gar nicht im Sattel sehe, würde ich empfehlen, die Gelassenheit (das Pferd ist körperlich und geistig entspannt) in jedem Fall in jeder Ausbildungseinheit zuerst herzustellen. Die räumliche Situation steht damit in engem Zusammenhang. Bei gänzlich neuen Lerninhalten wird jede Störung (und Pferde sind Meister der Wahrnehmung) ablenken. Ablenkung bedeutet mehr Aufwand zur Motivation oder einfach schlechtere Ergebnisse. Ergo ist eine ruhige, bekannte, gesicherte Umgebung wichtig. Mit „ruhig“ meine ich nicht zwangsläufig absolute Ruhe. Aber nichts, was weit über das normale Maß an Geschäftigkeit und Geräusch hinaus geht, mit welchen das Pferd ansonsten konfrontiert ist (als Beispiel: ein reines Hallenpferd ausgerechnet das erste Mal im Freien neben der Bundesstraße mit der ungewohnten Doppellonge zu konfrontieren, wird für manche Mensch /Pferd Paare wohl eher ein ambitioniertes Ziel sein).
Also schaffe für Dich und Dein Pferd ein „Klassenzimmer“ für die Ausbildung. Das kann für das Fohlen-ABC der Putzplatz sein, das kann für die Bodenarbeit der Longierzirkel oder der Reitplatz sein, das kann für Führübungen aber auch ein kleiner Feldweg sein. Wo das Pferd und der Mensch sich wohlfühlen und sicher und ungestört arbeiten können, ist es richtig.
Das „Klassenzimmer“ sollte in jedem Fall dem Pferd in einer (oder mehreren) Ausbildungseinheit nahe gebracht und positiv verknüpft werden (dazu an anderer Stelle mehr).
Der Paddock, die Weide und die Box des Pferdes sind bei uns in aller Regel frei von Ausbildung. Das ist „Pferdeland“! Einzige Ausnahme ist hier das Halftern (geübt wird das aber zuerst in einem „Klassenzimmer“ ohne fremde Pferde), und das Benehmen „bei Fuß“, wenn das Pferd geholt wird (auch das nur vertiefend im Paddockbereich). Füttern oder das „Ausbilden“ (Zurechtweisen, Locken etc.) fremder Pferde im „Pferdeland“ ist oft in der Folge dann mit Problemen beim Holen der Pferde behaftet (wenn Boxenpferdehalter hier nicht so recht verstehen, was ich meine: einfach mal einen Offenstall besuchen und etwas beobachten).
Wir versuchen, soweit es geht, das Pferd nicht schon im Vorfeld zu strapazieren. Wir richten also alles nötige Material zum Putzen, Transportieren, Ausbilden und Arbeiten der Pferde für die anstehende Einheit schon im Vorfeld her. Wenn wir dem Pferd das Stehenbleiben beibringen wollen, soll das gezielt passieren. Sicher nicht dadurch, dass unser Pferd am Balken oder an der Mauer geparkt wird und warten muss, bis sein Mensch die politische Lage Europas erläutert hat, die Telefonnummern von Opa und Oma raussucht, die neuen Stricke der Glitzerkollektion sortiert hat oder sich für das eine oder andere Ausbildungsziel des Tages eingekleidet hat.
Das macht man fairerweise vorher und es ist ein Akt des Anstands, seinen Partner nicht über Gebühr warten zu lassen, oder?

Die Hilfsmittel

Gerade beschrieben, holen wir uns die Ausrüstung, welche wir für die aktuelle Ausbildungseinheit benötigen, vor dem Holen des Pferdes. Da bleibt dann auch Zeit sich mit dem eigenen Plan auseinander zusetzen. Falls man zu zweit arbeitet (was wir gerne und oft machen, manchmal auch mit 2 Pferden) kann man sich absprechen. Der Plan B (nicht geliebt aber immer im Auge) wird auch vorbereitet (falls dazu andere Hilfsmittel nötig sind) und wenn alles am Platz ist geht es los.
Was Hilfsmittel sind? Bei der Ausbildung ist alles erlaubt und auch alles nötig, was irgendwie mit dem Pferd zu tun hat. Das ist ja das Ziel, das unser Pferd am Ende des Ausbildungsabschnittes alle Gegenstände kennt, mit ihnen vertraut ist und den Einsatz gelassen und möglichst erfolgreich absolviert.
Das kann das Halfter sein, Strick, Anbindestange, Wassereimer, Schlauch, Bürste, Anhänger, Cavalettis, Luftballons, Klappersack, Geschirrteile, Fliegendecke, Fliegenmütze, Sprühflasche, Kappzaum, Langzügel, Schwamm, Brücke, Springständer, Regenjacke, Stuhl, Ball, Gamaschen, Doppellonge, Gerten und Peitschen, Gurte, Sattel, Planen usw. und so fort.
Was wir nicht benötigen sind Hilfszügel und ähnliches. Die sind den wirklichen Notfällen im Einsatz mit absoluten Profis der Einschätzung und Einsetzung vorbehalten. Wenn diese Art von Mitteln zum Einsatz kommen, hat man meist ein größeres Problem und sollte seinen Plan revidieren und Hilfe holen!
Was im Übrigen keine Schande ist, sondern von gewisser Größe zeugt!

vorraussetzungen.txt · Zuletzt geändert: 2016/09/11 20:08 von andreasweingarten